Über das Heimkehren

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, heimzukehren nach so langer Reise. Tatsächlich sind es viele verschiedene Gefühle, die sich da in meiner Brust tummeln. Sie ergänzen sich. Widersprechen sich. Konkurrieren miteinander…

Ich bin traurig. Loslassen zu müssen von dem intensiven Leben in und mit der Natur. Diese Nähe zur Welt… Der erste Kaffee am Morgen mit den Füßen im kalten Wasser und Blick auf schneebedeckte Gipfel. Der Sprung in den See, der die Dusche ersetzt. Das Wäschewaschen in knietiefem Wasser unter der heißen kirgisischen Sonne. Das immer draußen sein. Ich werde das vermissen in Deutschland, das weiß ich jetzt schon.

Ich bin neugierig. Neugierig auf das Leben mit Hund auf dem Land. Wir hängen das Stadtleben an den Nagel und werden in die Eifel ziehen.

Ich bin erleichtert. Dass die Reise ohne ernsthafte Probleme verlief. Das Auto wurde nicht gestohlen. Es wurde nicht aufgebrochen. Wir wurden nicht Opfer eines Verbrechens. Wir sind nicht ernsthaft krank geworden. Die Visa waren in Ordnung. Das schlimmste Erlebnis war das Verschwinden unseres Hundes in Atyrau, in Kasachstan. Das ist zum Glück glimpflich ausgegangen, dank der Hilfe einiger sehr netter Menschen vor Ort.

Ich bin gespannt. Auf mich selbst in meinem neuen alten Umfeld. Bin ich wirklich „gewachsen“ in dem Jahr? Oder eher verkorkst? Auf jeden Fall habe ich mich verändert, denke ich. Wird das verpuffen, wenn ich in meine bekannten Strukturen zurückkehre? Stecke ich schon bald wieder knietief in der Tretmühle und begegne den Herausforderungen des Alltags nach alten Konzepten? Oder halte ich den Kopf über Wasser, meinen Blick weit? Kann ich – so wie es auf dieser Reise war – jeden Tag, jeder Aufgabe neu und frei begegnen?

Ich bin gestresst. Im Moment, von den Pannen am Auto. Viele Kilometer heißt auch viele Pannen. Gleichzeitig bin ich gelangweilt vom Autofahren.

Ich freue mich auf Komfort. Dusche, Klo, Waschmaschine, Zentralheizung. Große Küche mit meinem heißgeliebten Kaffeevollautomaten, einem Herd mit vier Herdplatten und einem Backofen. Zauberstab, Pfannen und Töpfe, Keramikteller anstatt Plastik! Geschäfte, in denen ich alles kaufen kann, was ich gerne esse und trinke.

Ich freue mich auch auf meinen Wiedereinstieg in das Berufsleben, auf Aufgaben und Herausforderungen.

Ich bin dankbar. Dass ich diese Reise mit all ihren Farben und Facetten machen konnte. Dankbar für die vielen Eindrücke, Erlebnisse, Erfahrungen. Diese Reise zu machen, war eine meiner wirklich guten Entscheidungen.

Ich bin glücklich und voller Vorfreude! Glücklich, bald schon wieder die Menschen zu treffen, die ich daheim zurückgelassen habe. Freue mich auf Familie und Freunde. Auf mein Patenkind, das mittlerweile laufen kann. Ich freue mich auf Abendfüllendes mit Gleichgesinnten. Auf die vielen Geschichten, die mir erzählen, wie das Leben in den letzten elf Monaten zu Hause verlief.

Alles in allem ist das doch eine sauschöne Sache. Das Heimkehren.

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3 Kommentare zu Über das Heimkehren

  1. Alex sagt:

    Liebe Sylvia,
    habe mal wieder Tränen in den Augen. Ich freu mich auch schon sehr auf dich! Ich bin mir sehr sicher, dass wir uns weiterhin verstehen. Auch wenn du bestimmt verändert bist und das sicherlich auch nachhaltig dein Bewegen in deiner Umwelt beeinflusst. Habe letztens von euch geträumt. Das war sehr merkwürdig – aber schön!
    Bis bald
    Alex

  2. Andrea sagt:

    Liebe Sylvia,
    willkommen zurück! Ich werde Eure Reiseberichte vermissen, in die ich gerne von Zeit zu Zeit reingeschnuppert hab. Hoffe, dass das Wiedersehen und Heimkehren dir sehr viel Freude bereitet und du im ländlichen Eifelidyll glücklich wirst. Auf bald, Andrea

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