{"id":3535,"date":"2012-09-05T15:52:18","date_gmt":"2012-09-05T15:52:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.goethepanzer.de\/?p=3535"},"modified":"2012-10-11T19:16:16","modified_gmt":"2012-10-11T19:16:16","slug":"bye-bye-central-asia","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.1yearoff.karstenmontag.de\/?p=3535","title":{"rendered":"Bye-bye Central Asia"},"content":{"rendered":"<p>Trotz der vielen netten und gastfreundlichen Menschen, die wir getroffen haben, und der sch\u00f6nen Landschaften in der Steppe und im Tienchan-Gebirge sind wir froh aus dem Kasachstan-Knast heraus zu sein. An die 50 Polizeikontrollen in zwei Monaten, davon mindestens 10 Versuche unter Androhung von &#8222;Straf&#8220; Schmiergelder zu erpressen, sowie eine absurde Registrierungspflicht f\u00fcr Touristen bei der Immigrationsbeh\u00f6rde lassen Besucher dieses Landes sich nicht wirklich willkommen f\u00fchlen. Ich habe bisher noch nie ein Land bereist, das seine Bev\u00f6lkerung und insbesondere Touristen so intensiv \u00fcberwacht. Nur Nordkorea stelle ich mir schlimmer vor. So schnell kommen wir nicht zur\u00fcck. Vielleicht in 2030, wenn die Modernisierungsinitiative des derzeitigen und wahrscheinlich dann noch im Amt befindlichen Pr\u00e4sidenten Nasarbajew zu Ende und das Land modernisiert ist. Unter Modernisierung verstehe ich jedoch nicht nur anst\u00e4ndige Stra\u00dfen, sondern mehr Demokratie und Freiheit f\u00fcr die B\u00fcrger und keine Korruption von beh\u00f6rdlicher Seite mehr. Ausgerechnet die Geldgier der Polizisten m\u00fcssen Touristen in diesem Land, das ansonsten so sicher ist wie jedes EU-Land, f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Kasachstan ist ein Land voller oberfl\u00e4chlicher Fassaden. Es erscheint wie eine offene Demokratie, doch die faktische Alleinherrschaft des Pr\u00e4sidenten, der bereits entgegen der eigenen Verfassung seit 20 Jahren an der Macht ist und von unz\u00e4hligen Plakaten auf seine Untertanen herabl\u00e4chelt, und seiner Familie zeigt in der Kombination mit der Total\u00fcberwachung, der eingeschr\u00e4nkten Meinungsfreiheit und den von der OSZE angeprangerten Wahlmanipulationen (nur die Regierungspartei ist im Parlament vertreten) das wahre Gesicht der Herrschaftsform.<\/p>\n<p>Der Reichtum, der in den \u00d6lst\u00e4dten des Nordens sowie in Almaty im S\u00fcden zur Schau gestellt wird, steht in keinem Verh\u00e4ltnis zur Armut in den St\u00e4dten in der Steppe in der Mitte des Landes. St\u00e4dte wie Aralsk und Astana k\u00f6nnen widerspr\u00fcchlicher nicht sein. Auf der einen Seite Hochglanzstra\u00dfen, die t\u00e4glich mit Wasser gereinigt werden, Hochh\u00e4user mit Glasfassaden und Superm\u00e4rkte, in denen mehr Wachpersonal heruml\u00e4uft als Verkaufspersonal. Auf der anderen Seite eine verrottende M\u00fcllhalde mit einer Kindersterblichkeit von 10 Prozent, exotischen Krankheiten wie die Pest und staubigen Holperstra\u00dfen.<\/p>\n<p>Wenn man dann noch die sechsspurige, hypermoderne und 400 Kilometer lange Autobahn zwischen Astana und Kokschtau sieht, f\u00fcr deren Verkehrsaufkommen ein simple zweispurige Landstra\u00dfe ausgereicht h\u00e4tte, und bedenkt, dass in manchen Provinzen wichtige Verkehrsverbindungen vollkommen zerst\u00f6rt sind, dann wird deutlich, woran es in Kasachstan fehlt: an vern\u00fcnftigen, sachgeleiteten Entscheidungen und an einem Strukturausgleich, den es nur in f\u00f6deralen Demokratien gibt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/k-DSC_0447.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3595\" title=\"k-DSC_0447\" src=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/k-DSC_0447.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"333\" srcset=\"http:\/\/www.1yearoff.karstenmontag.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/k-DSC_0447.jpg 500w, http:\/\/www.1yearoff.karstenmontag.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/k-DSC_0447-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In Kasachstan wird das Geld aus der Erd\u00f6lf\u00f6rderung im Norden des Landes direkt in die Aufrechterhaltung der Fassade gepumpt, um der Welt und vor allen Dingen der eigenen Bev\u00f6lkerung die Rechtfertigung der Machtagglomeration beim Pr\u00e4sidenten zu suggerieren. Die Total\u00fcberwachung des Verkehrs hat die Regierung im Gegensatz zu den westlichen Staaten des Ostblocks wie Polen, Rum\u00e4nien, Bulgarien, Ungaren etc., die die Verkehrsposten an Provinzgrenzen und vor gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten direkt nach der Wende abgeschafft haben, von der vormaligen Sowjetherrschaft \u00fcbernommen. Die Menschen nehmen die Entscheidungen augenscheinlich hin, weil es durch das Erd\u00f6l sichtbar wirtschaftlich aufw\u00e4rts geht und weil unversch\u00e4mter relativer Reichtum im kapitalistischen Neoliberalismus nicht verp\u00f6nt ist. Die Mischung aus autorit\u00e4rer Herrschaftsform und \u00d6lreichtum manifestiert sich jedoch manchmal im direkten Kontakt mit den Menschen als eine Form von \u00fcbersteigertem Selbstbewusstsein, die an Hochmut grenzt. Sprich: Wir sind in den St\u00e4dten im Norden von Jugendlichen offensichtlich neureicher Eltern mehrfach als auff\u00e4llige Touristen auf offener Stra\u00dfe verh\u00f6hnt worden, und zweimal haben entgegenkommende Fahrzeuge direkt auf uns zugehalten, um uns einen Schrecken einzujagen.<\/p>\n<p>Kirgistan hat uns hingegen positiv \u00fcberrascht. Abgesehen von einer \u00fcblen Polizeiabzocke, gegen die wir uns erfolgreich h\u00e4tten wehren k\u00f6nnen, wenn wir die Energie und die Zeit aufgebracht h\u00e4tten, sind wir in einem Monat \u201enur\u201c f\u00fcnfmal kontrolliert worden. Kirgistan ist das einzige Land in Zentralasien, das seit dem Sturz des ehemaligen Pr\u00e4sidenten Bakijew, der ausgerechnet nach Kasachstan geflohen ist, ernsthaft versucht, eine parlamentarische Demokratie zu etablieren. Es existiert keine Registrierungspflicht f\u00fcr Ausl\u00e4nder, und die Visumspflicht f\u00fcr B\u00fcrger vieler europ\u00e4ischer Staaten wurde im August 2012 abgeschafft. Es gibt erste zarte Pfl\u00e4nzchen touristischer Kooperationen wie das <a href=\"http:\/\/www.cbtkyrgyzstan.kg\/index.php?lang=en\" target=\"_blank\">Community-based Tourism<\/a>.<\/p>\n<p>Nach einem viert\u00e4gigen Ritt und teilweise 800 km pro Tag, die Dank der einigerma\u00dfen guten Stra\u00dfen zwischen Almaty und Astana m\u00f6glich waren, sind wir jetzt in Russland angekommen. Eine undichte Umlaufdichtung zwischen Kardanwelle und Differenzial hat uns zusammen mit der Registrierung in der Immigrationsbeh\u00f6rde und einem Gesundheitszeugnis f\u00fcr unseren Hund bei einem Tierarzt einen Tag in Astana gekostet.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte nie gedacht, dass ich einmal Russland mit guten Stra\u00dfen, weniger Polizeikontrollen und korrekten Polizisten in Verbindung bringen w\u00fcrde. Auch wenn das nach den derzeitigen Nachrichten aus Russland seltsam klingt: F\u00fcr uns als Touristen ist Russland die pure Freiheit. Wir k\u00f6nnen uns frei bewegen und m\u00fcssen keine \u00fcblen Polizeikontrollen bef\u00fcrchten. Die Verkehrspolizei kontrolliert Verkehrss\u00fcnder und nicht pauschal die Bev\u00f6lkerung. Russland ist in vielerlei Hinsicht europ\u00e4ischer, als man vermuten w\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz der vielen netten und gastfreundlichen Menschen, die wir getroffen haben, und der sch\u00f6nen Landschaften in der Steppe und im Tienchan-Gebirge sind wir froh aus dem Kasachstan-Knast heraus zu sein. 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