{"id":2469,"date":"2012-06-08T08:10:46","date_gmt":"2012-06-08T08:10:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.goethepanzer.de\/?p=2469"},"modified":"2013-03-31T09:23:31","modified_gmt":"2013-03-31T09:23:31","slug":"reisen-urlaub","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.1yearoff.karstenmontag.de\/?p=2469","title":{"rendered":"Reisen != Urlaub"},"content":{"rendered":"<p>Man k\u00f6nnte ja meinen, die zwei Teilzeitaussteiger leben ein sorgenfreies Abenteuerleben mit lauter tollen Eindr\u00fccken. Doch Reisen ist harte Arbeit. Zugegeben, wenn man drei Wochen am selben Standplatz steht, mit T\u00e4tigkeiten wie Schei\u00dfe entsorgen, Frischwasser nachf\u00fcllen, Einkaufen, Essen zubereiten und Kleider waschen, dann kann man das schon Urlaub nennen. Nach sieben Monaten unterwegs haben wir mittlerweile jedoch schon \u00fcber 15.000 km zur\u00fcckgelegt. Diese Strecke wird sich, wenn alles nach Plan verl\u00e4uft, in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Monaten noch einmal mehr als verdoppeln \u2013 und das mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km\/h. Weder unser Auto noch die Stra\u00dfen erm\u00f6glichen ein schnelleres Vorankommen. Das bedeutet: 400 km sind ein geregelter Arbeitstag. Rechnet man eine Gesamtstrecke von 32.000 km, so ergibt das 80 Arbeitstage. Dabei ist das Fahren an sich noch die leichteste T\u00e4tigkeit, da man sich abwechseln kann und der Verkehr Richtung Osten best\u00e4ndig abnimmt. Daf\u00fcr werden dann aber auch die Stra\u00dfen schlechter, und in St\u00e4dten mit einem Gespann fahren macht in keinem Land der Erde Spa\u00df.<\/p>\n<p>Deutlich anstrengender ist da bereits die Suche nach guten Standpl\u00e4tzen. Manchmal kann das ganz fix gehen, wenn man Tipps aus dem Internet verwendet (z.B. die Stellplatzdatenbank von <a href=\"http:\/\/meinwomo.net\" target=\"_blank\">http:\/\/meinwomo.net<\/a>), mit Google Maps Satellitenbilder studiert oder einfach nur einen Platz neben der Stra\u00dfe f\u00fcr eine Nacht aufsucht. Manchmal muss man jedoch Stunden an Umwegen und Erforschungen vor Ort zu Fu\u00df oder mit dem Motorrad investieren. Per Zufall findet man fast nie einen guten Platz. Bei durchschnittlich zehn Standpl\u00e4tzen pro Monat und einer gemittelten Suchzeit von einer halben Stunde komme ich auf weitere 7,5 geregelte Arbeitstage verteilt auf ein Jahr.<\/p>\n<p>Die wirklich nervigen und zeitraubenden T\u00e4tigkeiten sind jedoch Reparaturen und Checkereien wie Ersatzteile organisieren, Werkst\u00e4tten und \u00c4rzte suchen, Grenzen passieren und Papierkram aller Art erledigen. Die Sprachbarriere stellt dabei das gr\u00f6\u00dfte Hindernis dar. Wenn ich z.B. eine Werkstatt brauche, die uns auf der Krim die Handbremshalterung wieder anschwei\u00dft, dann kann ich nicht einfach im Internet oder in den Gelben Seiten danach suchen und telefonisch einen Termin vereinbaren. Njet. Not possible. Wir m\u00fcssen uns mit unserem ganzen Hausrat von Werkstatt zu Werkstatt hangeln und jedes Mal mit dem Vorzeigen der gebrochenen Halterung unser Anliegen darlegen. Und dann muss man seinem Gegen\u00fcber noch klarmachen, dass die Karre auch mit einer Quick-and-Dirty-Reparatur zufrieden ist und dieses Anliegen nicht mit dem Besuch einer VW-Werkstatt zu vereinbaren ist. Am liebsten w\u00fcrde ich den Leuten die Flex und das Schwei\u00dfger\u00e4t aus der Hand rei\u00dfen und das Ding selber wieder ans Fahrgestell d\u00fcbeln. Gl\u00fccklicherweise fanden wir durch Zufall in Simferopol eine Hinterhofwerkstatt, in der ein alter Mann mit einem t\u00e4towierten Anker auf der Hand offenbar seiner Lieblingsbesch\u00e4ftigung \u2013 der fortgeschrittenen Schrauberei \u2013 nachging. Mit wenigen Handzeichen verstand er, wie ich mir eine sachgem\u00e4\u00dfe Reparatur vorstellte. Er nahm zwei Bleche und fixierte diese mit seinem Elektroschwei\u00dfger\u00e4t am Fahrgestell. Das sieht jetzt zwar nicht aus wie neu, aber was sieht an unserem Fahrzeug schon aus wie neu? Daf\u00fcr h\u00e4lt die Konstruktion die n\u00e4chsten zehn Jahre. Wir waren ihm sehr dankbar und wollten ihn entlohnen, doch zu unserer Verwunderung wollte er kein Geld. Dinge gibt\u2019s, die glaubt man gar nicht. Doch ich schweife ab.<\/p>\n<p>Allein f\u00fcr Reparaturen sind in den vergangenen sieben Monaten ca. 10 Arbeitstage draufgegangen, f\u00fcr das Aufsuchen von \u00c4rzten f\u00fcr uns und den Hund sowie Papierkram noch einmal ca. 10 Tage. Rechnet man das auf den Rest der Reise hoch, kommt man auf weitere 35 Arbeitstage. Macht summa summarum ca. 120 Arbeitstage auf ein Jahr. Die Reflexion der Reise in unserem Blog und die Suche nach Internet kann ich nur schwer mit einem Zeitaufwand beziffern und werte ich auch nicht als Arbeit, auch wenn es manchmal nichts anders ist.<\/p>\n<p>Ein normales Arbeitsjahr hat ca. 235 Arbeitstage. Wir \u00fcben mit unserer Reise also einen guten Teilzeitjob aus. Das stimmt auch mit unserem Gef\u00fchl \u00fcberein. Erholungsphasen hatten wir nur an den Orten, an denen wir l\u00e4nger als eine Woche geblieben sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Sibenik in Kroatien, 2 Wochen,<\/li>\n<li>Odysseus\u2018 Bay in Nordwestgriechenland, 10 Tage,<\/li>\n<li>Karathona Beach bei Nafplio im S\u00fcdosten des Peleponnes, 6 Wochen,<\/li>\n<li>Cirali an der t\u00fcrkischen Adria, 3 Wochen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Manchmal bleiben wir an einem halbwegs guten Platz einfach ein oder zwei Tage l\u00e4nger, nur um uns auszuruhen von der Fahrerei oder Checkerei. Wenn wir uns mit unseren Ank\u00fcndigungen nicht so weit aus dem Fenster gelehnt und wir nicht 1.000 Euro in Visa investiert h\u00e4tten, dann w\u00fcrden wir ernsthaft erw\u00e4gen, den Rest des Jahres gepflegt an einem Strand in Griechenland zu verbringen oder einfach ans Nordkap zu fahren. Da soll es jetzt sehr angenehm sein, wenn man einmal von der M\u00fcckenplage absieht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man k\u00f6nnte ja meinen, die zwei Teilzeitaussteiger leben ein sorgenfreies Abenteuerleben mit lauter tollen Eindr\u00fccken. Doch Reisen ist harte Arbeit. 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