{"id":1111,"date":"2011-12-21T16:43:58","date_gmt":"2011-12-21T16:43:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.goethepanzer.de\/?p=1111"},"modified":"2013-03-31T09:48:40","modified_gmt":"2013-03-31T09:48:40","slug":"reise-reflektionen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.1yearoff.karstenmontag.de\/?p=1111","title":{"rendered":"Reise-Reflektionen"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind jetzt seit sieben Wochen auf der Stra\u00dfe. Vor einigen Tagen wurde ich von einem Daheimgebliebenen gefragt: \u201eUnd, ist es denn so, wie du es dir vorgestellt hast?\u201c Mich hat die Frage kalt erwischt. Ich hatte mir bis dato noch \u00fcberhaupt gar keine Gedanken dazu gemacht. Das hole ich jetzt nach:<\/p>\n<p>1. Das Leben auf der Stra\u00dfe ist aufreibender als ich dachte. Am meisten beeindrucken mich die N\u00e4chte. Schlafend f\u00fchle ich mich in dem Bus oft sehr verletzlich. Zwischen mir und meiner unbekannten Umwelt ist ein Hauch von Metall. Ich h\u00f6re jede Bewegung, jedes Tier. Das l\u00e4sst mich \u2013 je nachdem wie sicher ich mich f\u00fchle \u2013 besser oder auch schlechter schlafen.<\/p>\n<p>2. Ich habe definitiv mehr gearbeitet als ich geplant hatte. Steigender Termindruck f\u00fchrte zu steigender Anspannung bei mir, was der steigenden Entspannung bei Karsten diametral entgegenstand. Ich freue mich auf einen freien Kopf!<\/p>\n<p>3. Ich vermisse meine Freundinnen und Freunde und den Austausch mit ihnen: Das spontane Telefonat am Morgen. Der Kaffee am Nachmittag. Das Bier am Abend. Ich vermisse die Vertrautheit.<\/p>\n<p>4. Mir fehlen definitv: meine Dusche, mein Klo und mein Kaffeevollautomat.<\/p>\n<p>5. Der Transit durch Albanien hat mich erschrocken. Ich h\u00e4tte nicht geglaubt, dass die EU so j\u00e4h und gnadenlos endet. Ich war drei Tage lang fassungslos und voller Fragezeichen. Gleichzeitig scheu und etwas \u00e4ngstlich vor dem Unbekannten, so dass ich mich nur mit gro\u00dfer \u00dcberwindung getraut habe, in Kontakt zu treten mit den Menschen. Die Reflektion des Erlebten, bringt mir mindestens vier Erkenntnisse:<\/p>\n<ul>\n<li>Armut kannte ich bislang nur aus dem Fernsehen. Ich habe zwar Tourismusmanagement studiert, bin selbst aber abgesehen von Nordamerika noch nie au\u00dferhalb der heutigen EU-Grenzen gereist. Ich erinnere mich wieder an Abende mit Freunden, die fassungslos und schockiert von ihrer ersten Indien- oder Afrikareise heimkehrten. Mich hat Albanien aus dem Dornr\u00f6schenschlaf geweckt.<\/li>\n<li>Wir haben manchmal ziemlich quere Bilder im Kopf, von Dingen, die wir nicht kennen. Um diese Knoten zu l\u00f6sen, m\u00fcssen wir uns auch mal unseren \u00c4ngsten stellen.<\/li>\n<li>Die Kenntnis der Landesprache nimmt Ber\u00fchrungs\u00e4ngste und gibt Sicherheit. Ich habe ein Jahr in Portugal gelebt und spreche die Sprache sehr gut. Dort habe ich mich stets mit einem sehr sicheren Gef\u00fchl alleine bewegt, Anhalter mitgenommen, im Auto geschlafen, bin in Bergd\u00f6rfer gefahren, um mit den Einheimischen zu diskutieren. Als ich in Vlore (Albanien) im Postamt stand, um Briefmarken zu kaufen, und dort mehrere Frauen und M\u00e4nner auf mich einredeten ohne dass ich sie verstand, f\u00fchlte ich mich dagegen nackt und verletzlich.<\/li>\n<li>Jedes L\u00e4cheln in der Fremde ist ein Geschenk. Und es ist Balsam f\u00fcr die Seele, sich Willkommen zu f\u00fchlen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><a name=\"_GoBack\"><\/a>Wenn alles nach Plan l\u00e4uft, sind wir noch weitere 45 Wochen unterwegs. Ich bin sehr gespannt, was diese Reise noch so mit mir machen wird. Auf jeden Fall habe ich noch einige Lektionen zu lernen. W\u00fcrde mich heute wieder jemand fragen, ob ich mir das so vorgestellt habe, w\u00fcrde ich zusammenfassend antworten: \u201eIch h\u00e4tte nicht gedacht, dass Reisen so anstrengend sein kann.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind jetzt seit sieben Wochen auf der Stra\u00dfe. Vor einigen Tagen wurde ich von einem Daheimgebliebenen gefragt: \u201eUnd, ist es denn so, wie du es dir vorgestellt hast?\u201c Mich hat die Frage kalt erwischt. 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