{"id":1645,"date":"2012-02-20T11:32:18","date_gmt":"2012-02-20T11:32:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.goethepanzer.de\/?page_id=1645"},"modified":"2012-03-31T14:37:10","modified_gmt":"2012-03-31T14:37:10","slug":"thermopyles","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.1yearoff.karstenmontag.de\/?page_id=1645","title":{"rendered":"Thermopyles"},"content":{"rendered":"<p>Vor knapp 2.500 Jahren, 480 v. Chr., sind Perser und Griechen hier ganz \u00fcbel zusammengerasselt. Athen und eine weitere griechische Stadt hatten zuvor die ionischen Aufst\u00e4nde in Kleinasien (Westk\u00fcste der heutigen T\u00fcrkei), das bereits seit l\u00e4ngerem unter persischer Kontrolle stand, mit Flottenkontingenten unterst\u00fctzt. Die Ionier waren Griechen und genossen zwar Teilautonomie unter der persischen Herrschaft, wurden jedoch zumeist von Tyrannen regiert, die von den Persern eingesetzt wurden. Persien wollte Ruhe an seiner Westgrenze schaffen und versuchte bereits 490 v. Chr. die griechischen St\u00e4dte zu unterwerfen. Das misslang jedoch, weil die Griechen, haupts\u00e4chlich die Athener, die Landstreitkr\u00e4fte der Perser bei Marathon schlugen. Die \u00dcberbringung der Botschaft des Sieges bei Marathon f\u00fchrte \u00fcbrigens zum Marathonlauf. Marathon liegt ca. 42 km von Athen entfernt.<\/p>\n<p>480 v. Chr. wollten die Perser dann unter Xerxes I. N\u00e4gel mit K\u00f6pfen machen und zogen mit ca. 50.000 Kriegern auf dem Land und mit einer Flotte von ca. 600 Schiffen (heutige Sch\u00e4tzungen \u2013 zeitgen\u00f6ssische Geschichtsschreiber haben damals hoffnungslos \u00fcbertrieben und das Landheer z.B. auf 5 Mio. beziffert) auf das griechische Hauptland Attika und Peleponnes zu. Athen liegt in Attika, Sparta auf der peleponnesischen Halbinsel. Athen und Sparta waren zu der Zeit auch die m\u00e4chtigsten St\u00e4dte Griechenlands. Athen war eine Handelsmetropole mit einer starken Flotte, Sparta hatte fast den ganzen Peleponnes unterworfen. Weil die Spartaner den so genannten Heloten, den Bewohnern des Peleponnes, zahlenm\u00e4\u00dfig hoffnungslos unterlegen waren, lag ihre Hauptbesch\u00e4ftigung darin, sich in der Kriegskunst zu \u00fcben, und die Aufst\u00e4nde der Heloten, von deren Abgaben sie lebten, immer wieder mit milit\u00e4rischer Gewalt zu unterdr\u00fccken. Die spartanischen Vollb\u00fcrger waren tats\u00e4chlich freie Menschen und lebten in einer Demokratie, aber nur, weil sie ein halbes Land versklavt hatten.<\/p>\n<p>Als die Perser nun anr\u00fcckten, wollten die Spartaner Griechenland am Isthmus verteidigen, an der Landenge, die den Peleponnes von Attika und dem restlichen griechischen Hauptland trennt. Das wollten nat\u00fcrlich die Athener nicht, da dies die Vernichtung ihrer Stadt bedeutet h\u00e4tte. Daher schlugen sie vor, sich den Persern weiter n\u00f6rdlich zu stellen. Man einigte sich auf den Pass bei den Thermopylen (w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt: hei\u00dfe Tore \u2013 gemeint sind hei\u00dfe Wasserquellen, die mit einer Temperatur von ca. 42 Grad den Berg verlassen). Bei dem Pass handelte es sich um eine enge, ca. 15 m breite Stelle zwischen dem flachen Meer und dem Gebirge \u2013 die einzige M\u00f6glichkeit mit einem gro\u00dfen Landheer von Norden nach Athen und auf den Peleponnes zu gelangen. Ich hatte mir darunter immer einen Gebirgspass vorgestellt, und war dementsprechend verwundert, dass es sich lediglich um ein St\u00fcck Strand gehandelt hat.<\/p>\n<p>Die Spartaner befanden sich offenbar mit der Einigung f\u00fcr die Thermopylen in einer Zwickm\u00fchle. Einerseits wollten sie sich nicht alleine den Persern entgegenstellen, andererseits hatten sie auch Vorteile davon, wenn ihr gr\u00f6\u00dfter Konkurrent in Griechenland \u2013 Athen \u2013 durch den Feind geschw\u00e4cht werden w\u00fcrde. Sie entschieden sich f\u00fcr einen Kompromiss, der genauso k\u00fchl wie berechnend war: Statt ihrer gesamten Streitmacht von ca. 8.000 Mann schickten sie nur eine Abteilung von 300 Soldaten unter der F\u00fchrung von Leonidas I., einem der beiden K\u00f6nige von Sparta. Als Vorwand diente ein Orakelspruch, das ihnen angeblich davon abriet, an der Auseinandersetzung teilzunehmen. Auch die anderen griechischen St\u00e4dte schickten nicht ihr gesamtes Aufgebot, so dass sich laut heutigen Sch\u00e4tzungen nur ca. 5.000 \u2013 7.000 Mann der persischen Armee an den Thermopylen entgegenstellte. Dieses taktische Verhalten der griechischen Stadtstaaten ist typisch und h\u00e4tte der antiken griechischen Kultur zu der Zeit fast den Hals gekostet. Ich stelle mir das System der Stadtstaaten vor wie die heutige Welt. Man trifft sich alle vier Jahre zu olympischen Wettk\u00e4mpfen und tut so, als ob man in einer friedlichen Welt leben w\u00fcrde, und den Rest der Zeit kloppt man sich um Einfluss und Ressourcen mit allen vorhandenen Mitteln wie Wirtschaft, Propaganda und Krieg.<\/p>\n<p>Als es dann im August 480 v. Chr. zum Zusammensto\u00df an der besagten Passage an den Thermopylen kam, konnte das griechische Aufgebot wegen der g\u00fcnstigen strategischen Verteidigungsposition den persischen Angreifern mehrere Tage standhalten. Insbesondere konnten die Perser an der engen Stelle nicht ihre \u00fcberlegene Reiterei einsetzen. Der Legende nach waren die Griechen nur durch einen Verrat eines der ihrigen besiegbar. Ein gewisser Ephialtes zeigte den Persern einen alten Ziegenpfad, mit dem man die Stellung der Griechen umgehen und ihnen in den R\u00fccken fallen konnte. Mit diesem Kniff versuchte die zeitgen\u00f6ssische griechische Geschichtsschreibung (oder sollte man das nicht besser Propaganda nennen?) das waghalsige strategische Verhalten der Stadtstaaten mit der Entsendung eines Minimalheeres zur Verteidigung wettzumachen. Eine Armee, die sich einer \u00dcbermacht von 10 zu 1 stellt, kann auch an einem strategisch g\u00fcnstigen Ort nur schwer siegen. Trotzdem soll sie nur durch einen Verrat \u00fcberwindbar gewesen sein. Wer\u2019s glaubt\u2026 Ob es den Ziegenpfad wirklich gab und die Verteidigungsarmee der Griechen wirklich drohte, eingekesselt zu werden, ist unerheblich. Auf jeden Fall war der Kampf auf Dauer aussichtslos und sie mussten den R\u00fcckzug antreten. Da das griechische Heer aus Fu\u00dfsoldaten bestand, h\u00e4tte die Reiterei der Perser es auf offener Fl\u00e4che komplett vernichtet. Aus diesem Grund war die Entscheidung Leonidas, mit einer kleinen Nachhut von 300 Spartanern und 700 Thespiern, deren Gebiet direkt hinter den Thermopylen anschloss, die Passage solange zu verteidigen, bis der Rest sich in Sicherheit gebracht haben w\u00fcrde, ein Nullsummenspiel. Wenn alle den R\u00fcckzug angetreten h\u00e4tten, w\u00e4ren auch alle gestorben. Das Verhalten von Leonidas war das Mindeste, um die Ehre Spartas zu retten. Die Zur\u00fcckgebliebenen konnten tats\u00e4chlich die persische Armee lang genug aufhalten, bevor sie alle, inklusive Leonidas, get\u00f6tet wurden. Die vorr\u00fcckenden Perser zerst\u00f6rten dann das evakuierte Athen. Damit hatten die Spartaner ihr Sekund\u00e4rziel, die Schw\u00e4chung Athens, erreicht. Aufgehalten wurde die persische Armee durch den heranr\u00fcckenden Winter und den Verlust ihrer Flotte bei Salamis. Die Flotte der Griechen war unter anderem deshalb siegreich, weil ein Sturm einen gro\u00dfen Teil der persischen Schiffe vernichtet hatte. Xerxes zog sich mit seiner Armee \u00fcber den Winter zur\u00fcck nach Makedonien. Erst wieder 479 v. Chr. startete ein Angriff auf das Hauptland der Griechen. Dieses Mal stellte sich ihm eine Armee von ca. 30.000 bis 40.000 griechischen Soldaten entgegen, die bei Plataia (zwischen Theben und Athen) siegreich war. Die Perser sollten danach nie wieder versuchen, die griechischen St\u00e4dte milit\u00e4risch zu erobern.<\/p>\n<p>Das Verhalten der Spartaner bei den Thermopylen wurde und wird regelm\u00e4\u00dfig geschichtlich verzerrt. W\u00e4hrend zeitgen\u00f6ssische antike Quellen (vor allem athenische) es als gro\u00dfe Niederlage der Spartaner ansieht, wurde es aus spartanischer Sicht als Opfertod und vorbildliche milit\u00e4rische Pflichterf\u00fcllung glorifiziert.<\/p>\n<p>Die filmische Darstellung \u201e300\u201c von 2007 ist dabei der gr\u00f6\u00dfte Unsinn. Allein die Vorstellung, dass ein Berufssoldat mit nacktem Oberk\u00f6rper in den Nahkampf zieht, nur weil es besser aussieht, muss bei jedem historisch interessierten Menschen Kopfsch\u00fctteln hervorrufen. Die Idee dieses amerikanischen Filmes war schlichtweg die Darstellung eines Eliteheeres, so wie sich die amerikanische Armee im Kampf gegen die Taliban sieht. Dabei war es wohl eher umgekehrt (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/article792092\/Die_Spartaner_waren_gar_nicht_so_nett.html\" target=\"_blank\">siehe diesen kritischen Artikel der welt<\/a>).<\/p>\n<p>Auch die kineastische Umsetzung \u201eThe 300 Spartians\u201c von 1962, die wenigstens deutlich n\u00e4her an den historischen Fakten liegt, verkl\u00e4rt die Auseinandersetzung als einen gemeinsamen griechischen Akt, ihre freie Welt zu retten. Diese Welt war weder frei \u2013 vor allen Dingen nicht die von den Spartanern unterdr\u00fcckten Heloten \u2013, noch sahen sich die Griechen als ein gemeinsam agierendes Volk.<\/p>\n<p>Heute ist der Ort bei den Thermopylen geologisch stark ver\u00e4ndert. Durch Sedimentanschwemmungen ist das Meer an der damals 15 m breiten Stelle heute mehrere Kilometer entfernt. Einzig \u00fcbriggeblieben ist ein von den Thespiern befestigter H\u00fcgel.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcngerlicher und heutiger K\u00fcstenverlauf (Quelle: wikipedia):<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Thermopylae_shoreline_changes_map.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1652\" title=\"Thermopylae_shoreline_changes_map\" src=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Thermopylae_shoreline_changes_map.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"385\" srcset=\"http:\/\/www.1yearoff.karstenmontag.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Thermopylae_shoreline_changes_map.jpg 500w, http:\/\/www.1yearoff.karstenmontag.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Thermopylae_shoreline_changes_map-300x231.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a>\u00dcberreste der thespischen Stellung und Blick \u00fcber die vorgelagerte, angschwemmte Ebene, an deren Stelle in der Antike noch das Meer lag:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/k-SNV807061.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1647\" title=\"k-SNV80706\" src=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/k-SNV807061-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/k-SNV807091.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1648\" title=\"k-SNV80709\" src=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/k-SNV807091-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/k-SNV80707.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1649\" title=\"k-SNV80707\" src=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/k-SNV80707-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Leonidasdemkmal und Tafel mit folgende \u00fcbersetzten Inschrift: &#8222;Fremder, melde den Laked\u00e4moniern, dass wir hier liegen, den Befehlen jener gehorchend&#8220;:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/k-SNV80689.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1650\" title=\"k-SNV80689\" src=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/k-SNV80689-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/k-SNV807031.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1651\" title=\"k-SNV80703\" src=\"http:\/\/www.1yearoff.goethepanzer.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/k-SNV807031-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor knapp 2.500 Jahren, 480 v. 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